Einführung in die Elektronenmikroskopie
0. Kurz zur Geschichte
1925 De Broglie beschreibt den Wellencharakter des Elektrons
1927 Davisson und Germer als auch Thompson und Reid führen
unabhängig voneinander Streuexperimente mit Elektronen
durch
1932 Knoll und Ruska schlagen den Bau eines Elektronenmikroskops
vor und stellen das erste Elektronenmikroskop her
1936 1. kommerzielles Elektronenmikroskop
1949 Heidenreich bereitet eine Probe aus Metall zu, die für
Elektronen durchsichtig ist
1986 Ruska erhält den Nobelpreis für die Entwicklung des
Elektronenmikroskops
1. Prinzip
Das Prinzip des Elektronenmikroskops ist ähnlich dem des
Lichtmikroskops. Ein Elektronenstrahl durchdringt ein Objekt und
wird durch Linsen anbgelenkt wodurch eine vergrößerte Abbildung
des Objekts entsteht. Die Voraussetzungen für diese Analogie ist
der Wellencharakter von Elementarteilchen und damit ihre
Eigenschaft Interferenzefekte zu bilden als auch die Möglichkeit
den Elektronenstrahl in seiner Richtung zu beeinflussen. Die
erste Voraussetzung ist eine typische Eigenschaft der
Elementarteilchen, denen falls sie einen Impuls P besitzen eine
De Broglie-Wellenlänge von l=h/P (h...Plancksches
Wirkungsquantum) zugeordnet wird. Die zweite Voraussetzung wird
durch meistens magnetische Linsen gewährleistet (Kap. 3.3). Da
Elektronen Ladungsträger sind und wegen der Art wie man im
Elektronenmikroskop die freien Elektronen herstellt (Kap. 3.1)
entsteht noch eine weitere Voraussetzung und zwar ein Hochvakuum,
das durch ein Vakuumsystem (Kap. 3.5) gewährleistet wird. Es
gibt mehrere Möglichkeiten Informationen aus dem
Elektronenstrahl zu erhalten. Trifft ein Elektronenstrahl auf die
Probe wird ein Teil reflektiert ein anderer absorbiert, wobei er
mit dem Objekt wechselwirkt und der Rest wird elastisch oder
inelastisch gestreut. Aus allen diesen Strahlen können
Informationen über die Zusammensetzung der untersuchten Probe
gewonnen werden. Der reflektierte Strahl kann ähnlich wie bei
der Auflichtmikroskopie abgebildet werden um ein Bild der Probe
zu erhalten. Außerdem kann die Intensitätsverteilung der
Sekundärelektronen, die durch die Wechselwirkung des
Elektronenstrahls mit dem Objekt entstehen, gemessen werden was
auch zu einem Bild des Objektes (bzw. seiner Oberfläche) führen
kann. Bei der erwähnten Wechselwirkung entsteht auch
charakteristische Röntgenstrahlung, die Aussagen über die
chemische Zusammensetzung liefern kann. Die durchgehenden
Strahlen können wie beim Lichtmikroskop mit Linsen zu einem Bild
des Objekts zusammengefügt werden. Schließlich kann man auch
aus den unelastischen Prozessen in der Probe Informationen über
die Objektzusammensetzung erhalten.
2. Auflösung
Der wesentliche Parameter eines Mikroskops ist seine Aflösung
d.h. der Abstand von zwei Punkten, die in dem Abbild des Objekts
noch zu unterscheiden sind, wobei das Kriterium für die
Unterscheidung von zwei Punkten das Rayleighkriterium ist (Kap.
3.3.2). Die Auflösung wird vorallem durch die Wellenlänge der
verwendeten Strahlen bestimmt. Im Falle von Elektronenstrahlen
hängt die Wellenlänge von der Größe der
Beschleunigungsspannung ab, da die Spannung den Impuls der
Elektronen bestimmt. Bei 100 kV haben die Elektronen eine
Wellenlänge von einigen Pikometern. Leider wird diese
Auflösung, bedingt durch Abbildungsfehler der magnetischen
Linsen (Kap. 3.3.2), nicht erreicht. Trotzdem erreicht man eine
Auflösung knapp unterhalb von 2 Å was eine wesentliche
Verbesserung im Vergleich zum Lichtmikroskop ist.
3. Aufbau des Elektronenmikroskops
Das Elektronenmikroskop hat einen ähnlichen.
Es besteht Aufbau aus einer Quelle und einem Linsen- Vakuum- und
Abbildungssystem. Die einzelnen Bestandteile werden in Kapiteln
3.1 bis 3.5 besprochen.
3.1 Quelle freier Elektronen
Damit Elektronen aus der Kathode heraustreten muß eine
Austrittsarbeit verrichtet werden oder das bindende Potential des
Material erniedrigt werden. 3.1.1 Heizkathode Die Kathode wird
mit Hilfe eines elektrischen Stromes geheizt wodurch die Energie
der Elektronen steigt und sie aus dem Material der Kathode
austreten können. Die Elektronen werden danach mit einer
Spannung abgesaugt. Die Austrittsarbeit des Materials sollte
nicht zu hoch sein damit auch bei Temperaturen weit unterhalb des
Schmelzpunktes eine ausreichende Intensität der Elektronen
erreicht wird. Eine tiefere Betriebstemperatur bedeutet
gleichzeitig eine schmalere Energieverteilung der Elektronen was
sich positiv auf den chromatischen Fehler auswirkt. Als Material
wird Wolfram oder ein LaB6 Krystal verwendet.
3.1.2 Feldemission
Bei der Feldemissionskathode wird das bindende Potential durch ein äußeres elektrisches Feld erniedrigt wodurch die Tunnelwahrscheinlichkeit der Elektronen steigt. Um eine so hohe elektrische Feldstärke zu erreichen muß die Kathode die Form einer Spitze haben. Als Material wird auch bei der Feldemission Wolfram oder ein LaB6 Krystal verwendet. Die Energieverteilung des Elektronenstrahls ist sowohl bei Feldemission als auch bei der Heizkathode von der krystalographischen Orientierung abhängig ( die Richtung <310> wird verwendet). Durch die hohe Spannung an der Kathode erfordert die Feldemission ein wesentlich besseres Vakuum als die Heizkathode damit es nicht zu Entladungen kommt. Eine Kombination vom Heizen und einem äußerem Feld kann auch verwendet werden.
Einheiten
Wolfram
LaB6
Feldemission
Austrittsarbeit
eV
4,5
2,4
4,5
Richardsonkonstante
Am^-2K^-2 6
10^5
4 10^
5
-
Betriebstemperatur
K
2700
1700
300
Stromdichte
Am^-2
5 10^
4
10^
6
10^10
Strahldurchmesser
mm
50
10
<0,01
Helligkeit
Am^-2sr^-1 10^
9
5 10^
10
10^ 13
Breite der Energieverteilung
eV
3
1,5
0,3
Stabilität des Elektronenstroms
%/hr
<1
<1
5
Lebensdauer
hr
100
500
>1000
Vakuum
Pa
10^-2
10^
-4
10^-8
3.2 Aufbau der Elektronenkanone
Die Kanone besteht aus der Kathode (Heiz- oder Feldemissionskathode), einem Wehneltzylinder, der cca. 100 V negativer geladen ist als die Kathode und schließlich einer Anode. Die durch ein äußeres Feld beschleunigten Elektronen werden durch das negative Potential des Wehneltzylinders zu einer Raumladungswolke gebündelt und fliegen durch ein Loch in der Anode in Richtung Objekt.
3.3 Linsensystem
3.3.1 Linsen
In der Lichtoptik wird ein Lichtstrahl in einer Linse aufgrund der unterschiedlichen Fortpflanzungsgeschwindigkeit in zwei verschieden Medien abgelenkt. Um einen Elektronenstrahl abzulenken kann man ein elektrisches oder ein magnetisches Feld verwenden. Die bevorzugten Linsen in der Elektronenmikroskopie sind die magnetischen Linsen da der Strom, der das Magnetfeld erzeugt, leichter stabil gehalten werden kann als eine Hochspannung.
Magnetische Linsen
Auf ein Elektron, das sich in einem magnetischem Feld bewegt, wirkt die Lorentzkraft . Fällt der Strahl unter einem Winkel a (a ungleich 90 Grad (Kreisbahn) oder 0 Grad (keine Ablenkung)) auf das Magnetfeld ein bewegen sich die Elektronen auf einer Schraubenbahn. Dadurch kommt es bei einer magnetischen Linse außer einer Umdrehung des Bildes um 180 Grad (wie bei einer Linse in der Lichtoptik) zu einer zusätzlichen Drehung (magnetische Rotation). Um eine möglichst große Vergrößerung zu erhalten (kurze Brennweite) sind hohe magnetische Feldstärken und ein inhomogenes Feld notwendig. Der Kehrwert der Brennweite ist umgekehrt proportional zu Beschleunigungsspannung der Elektronen und proportional dem Integral über das Quadrat der magnetischen Induktion im Bereich der Polschuhe. Alle magnetischen Linsen liefern konvergente Elektronenstrahlen und sind daher Sammellinsen.
Aufbau einer magnetischen Linse am Bsp. der Eisenkapselspule
Die Eisenkapselspule besteht aus einer leitenden Spule, die von einem weichmagnetischem Material (Weicheisen) mit einem kleinen Loch eingeschlossen ist. Durch das Loch tritt das inhomogene Feld hoher Feldstärke heraus und wird durch Polschuhe verdichtet.
3.3.2 Linsenfehler
Die Linsenfehler bestimmen das Auflösungsvermögen des Elektronenmikroskops. Am wichtigsten ist die Korrektur der Linsenfehler der Objektivlinse da diese Fehler von den nachfolgenden Linsen mit abgebildet und dadurch auch vergrößert werden. In der Elektronenmikroskopie sind von den 11 vorkommenden Linsenfehlern folgende Bildfehler besonders wichtig:
Chromatischer Fehler
Der chromatische Fehler entsteht durch eine Energieverteilung der
Elektronen im Elektronenstrahl. Die Wirkung des Magnetfeldes
hängt von der Richtung und vom Betrag der Geschwindigkeit der
Elektronen ab. Dadurch werden verschiedene energetische
Komponenten des Strahls unterschiedlich stark abgelenkt und es
nicht ein Brennpunkt für den gesammten Strahl definiert. Falls
ein Punkt abgebildet wird entstent in der Gaußschen Ebene ein
Scheibchen als Bild. Der Radius des Scheibchens ist proportional
zum Öffnungswinkel der abbildenden Linse und zum
Brennweitenabstand, der durch den chromatischen Fehler entsteht.
Vorbeugung und Korrektur:
Sphärischer Fehler
Die Form des Magnetfeldes kann verursachen, daß die Brennweite
der äußeren Linsenzone verschieden ist von der Zone nah an der
optischen Achse. Strahlen, die verschieden weit von der optischen
Achse verlaufen, werden an verschiedenen Stellen gebündelt,
wodurch ein Punkt wieder wie ein Scheibchen abgebildet wird.
Diesem Scheibchen entspricht in der Objektebene ein Scheibchen,
dessen Radius Dr=CSa^3 ist.
Korrektur:
Beugungsfehler
Der Beugungsfehler entsteht durch Strahlen die, vom Objekt
ausgehen an den Linsenränder gebeugt werden und mit den am
Linsenrand nicht gebeugten Strahlen interferieren. Dadurch
entsteht bei einer Abbildung eines Punktes in der Gaußschen
Bildebene eine Intensitätsverteilung, die der
"Sombrerofunktion" entspricht. Die Ausdehnung des
Maximums der Intensitätsverteilung und daher die Breite des
Beugungsscheibchens ist umgekehrt proportional zum Öfnungswinkel
der abbildenden Linse. Werden zwei nahe Punkte abgebildet
entsteht eine Überlagerung der Intensitätsverteilungen. Die
zwei Punkte sind getrennt wahrnehmbar falls das Abstand der
einzelnen Maxima der Intensitätsverteilungen größer ist als
die Breite des Beugungsscheibchens ist (Rayleighkriterium).

Axialer Astigmatismus
Unter dem axialen Astigmatismus versteht man den Astigmatismus
der Punkte auf der optischen Achse. Astigmatismus ist ein
Linsenfehler, der durch eine fehlende Rotationssymetrie (z.B. der
Bohrungen oder des Magnetfeldes im Fall vom TEM) versursacht
wird. Dadurch hat die Linse in verschiedenen Richtungen
verschiedene Brennweiten und ein Punkt wird in zwei aufeinander
senkrechte hintereinander liegende Striche abgebildet. Der Radius
des Fehlerscheibchens ist proportional zum Öfnungswinkel und zur
Differenz der durch den Astigmatismus entstandenen Brenweiten.
Vorbeugung und Korrektur:
3.4 Abbildungssystem
Wegen der großen Fokussierungstiefe des Elektronenmikroskops können mehrere Abbildungsysteme gleichzeitig installiert sein und scharfe Bilder liefern. Für die direkte Beobachtung kann ein Luminiszenzbildschirm verwendet werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Ankopplung eines Fernsehbildschirms einer Photokamera oder, was für die spätere Auswertung und Bearbeitung von Aufnahmen günstig ist, einer CCD-Kamera.
3.5 Vakuumsystem
Ein Vakuumsystem ist eine Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit des Elektronenmikroskops. In einem Vakuum können sich die Elektronen ungehindert ausbreiten, die Probe wird geschüzt und Entladungen im Bereich der Kanone werden verhindert. Bei der Feldemission ist wegen der hohen Spannung ein wesentlich besseres Vakuum erforderlich. Das Vakuum wird durch eine Reihe von Pumpen gewährleistet, die verschiedene Druckbereiche erreichen können.
Drehschieberpumpe
Erreicht einen Druck von 10^-2 Torr. Zwei Schieber die in einem
exzentrisch montiertem Rotor befestigt sind schieben das Gas aus
dem zu evakuierendem Behälter raus.
Turbomolekularpumpe
Erreicht einen Druck von 10^-7 Torr. Gasmoleküle erhalten von
schnell rotierenden Schaufeln einer Turbine abgesaugt.
Turbomolekularpumpen sind relativ vibrationsfrei, still und
enthalten kein Öl, das das Vakuum verschlimmern könnte.
Diffusionspumpe
Erreicht einen Druck von 10^-7 Torr. Aufsteigende Ölmoleküle
werden an Düsen umgelenkt und übergeben durch Stöße einen
Teil ihres nach unten gerichteten Impulses an Gasmoleküle, die
unten im kondensierten Öl gefangen werden.
Ionenpumpe
Erreicht einen Druck von 10^-10 Torr. Elektronen, die aus einer
geheizten Kathode austretenden, bewegen sich in einem Magnetfeld
auf einer Spiralbahn und ionisieren Gasmoleküle, die danach von
der Kathode angezogen werden. Die Gasmoleköle schlagen Ti Atome
aus der Kathode und kondensieren dann mit ihnen an den Wänden
der Pumpe.
Kryopumpen
sind erst effektiv nachdem ein Vakuum von cca. 10^-5 Torr
erreicht wurde. Kryopumpe Erreicht einen Druck von 10 -11 Torr.
Gasmoleküle kondensieren an durch flüssigen Stickstoff
gekühlten Flächen.
Beispiel eines Vakuumsystems:
4. Kontrastmethoden
4.1 Kontrast
Der Kontrast C kann z.B. durch eine Intensitätsdifferenz zwischen zwei Bereichen definiert werden.
C=(I1-I2)/I2
Das Auge kann zwei Bereiche erst unterscheiden falls die Intensitätsänderung größer als 10% ist.
4.2 Hellfeld und Dunkelfeld
Durch elastische Streuung von Elektronen an Gitteratomen und durch anschließende konstruktive Interferenz entsteht in der hinteren Brennebene ein charakteristisches Beugungsbild. Das Aussehen von diesem Beugungsbild hängt von der Struktur des Objekts ab. Im Falle eines Einkristalls besteht das Bild aus einzelnen Punkten (Braggreflexen) und dem durchgehendem Strahl. Jeder Reflex beschreibt eine Schar von parallelen Ebenen. Er entsteht durch konstruktive Interferenz von Elektronen, die an diesen Ebenen gestreut werden. Durch eine Blende in der hinteren Brennebene kann ein Braggreflex ausgewählt werden. Dadurch werden im Bild nur die Bereiche dargestellt, die in diesen Reflex streuen.
Hellfeld
Beim Hellfeld wird der durchgehende Strahl ausgewählt. Bei einer
Abbildung eines Einkristalls auf einer amorphen Kohlefolie würde
es bedeuten, daß der Kristall mehr an Intensität verliert als
die Kohlefolie, da der Kristall mehr in die Braggreflexe streut.
Dunkelfeld
Beim Dunkelfeld wird ein Reflex ausgewählt. Es sollte ein Reflex
sein, der eine hohe Intensität besitzt damit nach dem Ausblenden
die Intensität noch hoch genug für eine Beobachtung ist. Aus
diesem Grund wird zuerst der Zweistrahlfall eingestellt. Bei
dieser Art der Abbildung ist eine Ebenenschar genau in
Braggbedingung. Dadurch ist ein entsprechender Reflex hoch
angeregt. Dieser wird durch ein magnetisches Feld vor dem Objekt
in die optische verschoben um eine bestmögliche Darstellung zu
gewährleisten. In diesem Fall würde der Kristall weniger an
Intensität verlieren als die Kohlefolie, da der Kristall vor
allem in den ausgewählten Reflex streut.